Das Konzept des „Todes“ ist für uns Erwachsene eines der schwierigsten Themen. Es beinhaltet ein Gefühl der Hilflosigkeit und kann einen Menschen in einen tiefen Trauerprozess führen. Selbst für Erwachsene ist es schwierig, diesen Prozess einem Kind zu erklären und ihm zu helfen, seine Trauer zu erleben.
Wenn ein Erwachsener trauert, durchläuft er bestimmte Phasen: zuerst Schock, dann Verleugnung, Wut, Depression, Akzeptanz und schließlich Heilung. Erst wenn der Erwachsene den Schock überwunden hat und in der Lage ist zu weinen und seine Trauer zu fühlen, sollte er mit dem Kind darüber sprechen.
Der Begriff Tod sollte Kindern je nach Alter unterschiedlich erklärt werden. Unabhängig vom Alter des Kindes sollte dies jedoch in einer Umgebung geschehen, in der sich das Kind sicher fühlt, zum Beispiel in seinem Zimmer und mit vertrauten Personen.
Wenn Ihr Kind noch im Vorschulalter ist, sollte man statt des Wortes „Tod“ eher sagen: „Er/Sie ist nicht mehr da. Er/Sie kann nicht mehr atmen, sprechen oder essen wie wir. Wir werden ihn/sie nicht mehr sehen oder umarmen können. Wir können ihn/sie sehr vermissen, und wenn wir ihn/sie vermissen, können wir uns Fotos ansehen. Und wir können ihn/sie weiterhin lieben.“ Aussagen wie „Er/Sie ist weit weg gegangen“ oder „Er/Sie schaut uns vom Himmel aus zu“ sollten vermieden werden, da sie das Kind verwirren können.
Kinder drücken sich oft eher durch Spielen als durch Gespräche aus. Deshalb ist es hilfreich, in dieser Zeit häufig mit dem Kind zu spielen.
Ältere Kinder können den Tod bereits als etwas Endgültiges verstehen. Für Kinder ab etwa 8–9 Jahren ist es nicht schädlich, bei einer Trauerfeier oder im Trauerhaus anwesend zu sein. Dort können sie lernen, dass Menschen traurig sind und weinen, danach aber ihren Alltag wieder fortsetzen.
Wenn die verstorbene Person die Eltern des Kindes sind, können Großeltern oder andere Betreuungspersonen diese Gespräche führen. Kleine Kinder können nach kurzer Zeit wieder spielen wollen oder immer wieder fragen, wo die verstorbene Person ist und wann sie zurückkommt. Das entspricht ihrer Entwicklung. Erwachsene sollten das Kind deshalb nicht beschuldigen oder zum Trauern drängen.
Kinder können unterschiedlich reagieren:
- Das Essverhalten kann sich verändern.
- Sie können gleichgültig wirken.
- Sie stellen häufig Fragen.
- Sie können Ängste entwickeln und sich stärker an die Betreuungsperson klammern.
- Sie können viel weinen oder gar nicht.
Wenn Unterstützung schwierig wird, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Ein Fachmann sollte hinzugezogen werden, wenn:
- es starke Schlafprobleme gibt,
- das Essverhalten deutlich gestört ist,
- das Kind aggressiv oder sehr gereizt ist,
- Bettnässen oder Einkoten beginnt,
- das Kind so tut, als wäre nichts geschehen,
- deutliche Verhaltensänderungen auftreten.
Was können Eltern oder Betreuungspersonen tun?
- Häufig mit dem Kind spielen.
- Möglichkeiten schaffen, über Gefühle zu sprechen.
- Eigene Gefühle und Trauer zeigen.
- Ehrlich sagen, wenn man eine Antwort nicht kennt.
- Dem Kind zeigen, dass auch Erwachsene traurig sein dürfen, aber trotzdem ihren Alltag weiterführen.
Nicht nur das Kind, sondern auch der Erwachsene sollte gesund trauern. „Verlängerte Trauer“ steht für eine ungesunde Form des Trauerns. Gesund zu trauern bedeutet, sich nicht nur an den Schmerz, sondern auch an die schönen Erinnerungen an die verstorbene Person zu erinnern.
Pınar Ersöz Tezer