Vor der Schwangerschaft beginnt der Prozess mit der Untersuchung, ob der Körper der Mutter ausreichend vorbereitet ist, um das Baby neun Monate lang zu versorgen und zu tragen. Dieser Prozess setzt sich bis zur Geburt mit Tests, Ultraschallkontrollen, Untersuchungen und Aufklärung fort.

Heutzutage sollten Paare nicht einfach sagen „Wir wollen ein Baby“, sondern „Wir wollen ein gesundes Baby“, denn mit dem heutigen Stand der Medizin ist es möglich, viele Probleme während der Schwangerschaft im Voraus zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Für ein gesundes Baby sind eine gesunde Eizelle und gesunde Spermien erforderlich. Es ist jedoch nicht möglich, aus 400.000 Eizellen die gesündeste auszuwählen oder vorherzusagen, welches der 60 Millionen Spermien die Eizelle befruchten wird.

FAMILIENANAMNESE (STAMMBAUMANALYSE)


Was man tun kann, ist, vor der Schwangerschaft die eigene Familiengeschichte zu untersuchen. Paare sollten ihre familiäre Vorgeschichte hinterfragen: Gibt es genetisch bedingte Erkrankungen? Gab es Fälle von Säuglingsverlust? Falls ein Risiko besteht, sollte eine genetische Beratung in Anspruch genommen werden, um zu klären, ob es sich um eine definierbare Erkrankung handelt. Nehmen wir an, es liegt kein Problem vor.

DIE MUTTER SOLLTE SICH VORBEREITEN


Die werdende Mutter, die das Baby während der gesamten Schwangerschaft tragen wird, sollte sich fragen: „Bin ich dafür körperlich bereit?“ Durch Blutuntersuchungen (Hämogramm) wird geprüft, ob Anämie, Eisenmangel, Thalassämie-Trägerschaft oder Probleme mit Zucker (Diabetes) und Schilddrüse vorliegen. Ebenso wird abgeklärt, ob Infektionen wie Toxoplasmose oder Röteln durchgemacht wurden. Falls keine Röteln-Immunität besteht, sollte geimpft und die Schwangerschaft um 3–4 Monate verschoben werden. Außerdem sollten Mängel wie Folsäure und Vitamin B12 untersucht und die Einnahme von Folsäure bereits drei Monate vor der Schwangerschaft begonnen werden.


Die Schwangerschaft ist eingetreten und das Paar kommt zur Kontrolle. Ob die Schwangerschaft gesund ist, lässt sich anhand folgender Faktoren beurteilen:
1. Körperliche Veränderungen
2. Biochemische Veränderungen
Wenn sich das Schwangerschaftsprodukt in der Gebärmutter einnistet, produziert die Plazenta ein spezielles Hormon: Beta-hCG. Sobald der Beta-hCG-Wert in Tests über etwa 100 liegt, ist die biochemische Schwangerschaft bestätigt. Gelangt dieses Hormon über das Blut in den Urin, zeigt ein Urintest mit zwei Linien eine positive Schwangerschaft an.
Während der Schwangerschaft verändern sich im Körper zwei Dinge: Zum einen steigt das normalerweise nicht vorhandene Beta-hCG-Hormon kontinuierlich an, zum anderen nimmt das Hormon Progesteron, das für den Erhalt der Schwangerschaft notwendig ist, zu. Diese Veränderungen führen zu sekundären Beschwerden wie morgendlicher Übelkeit, Verdauungsproblemen, häufigem Wasserlassen, metallischem Geschmack im Mund, vermehrtem Speichelfluss, Zahnfleischschwellung und -blutung. In dieser Phase entscheidet sich die werdende Mutter meist, einen Arzt aufzusuchen.
Wenn sie sehr früh geht, ist die Fruchthöhle möglicherweise noch nicht sichtbar. Bevor der Beta-hCG-Wert 1500 Einheiten überschreitet, kann die Fruchthöhle im Ultraschall meist nicht erkannt werden. Dies entspricht ungefähr einem Zeitraum von 14 Tagen.
 

Da die Befruchtung im Eileiter stattfindet, kann die Fruchthöhle manchmal dort stecken bleiben und nicht in die Gebärmutter gelangen. Dies nennt man eine „Eileiterschwangerschaft“ (extrauterine Schwangerschaft). Sobald die Fruchthöhle in der Gebärmutter gesehen wird, kann die Schwangerschaft auch klinisch bestätigt werden.


Es reicht jedoch nicht aus, nur die Fruchthöhle zu sehen. Nachdem festgestellt wurde, dass es sich nicht um eine biochemische Schwangerschaft handelt, muss geprüft werden, ob die genetische Struktur korrekt angelegt ist. Dafür muss der Fötus sichtbar sein.
Es gibt zwei Arten der Schwangerschaftsüberwachung. Die eine ist empirisch: Man beobachtet visuell. Beispielsweise kommt die Schwangere in der 6. Woche, dann in der 8. Woche und anschließend in der 10. Woche wieder, und man stellt fest, dass das Wachstum altersgerecht verläuft.
Die andere basiert auf wissenschaftlichen Daten. Zwischen der 11. und 13. Woche werden Screeningtests durchgeführt.
Neben dem Down-Syndrom können auch Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, Fehlstellungen der Füße, abstehende Großzehen sowie Anomalien im Gehirn, Herzen und in den Nieren Hinweise geben.
Wenn eines dieser Anzeichen vorliegt und auch die Screeningtests Auffälligkeiten zeigen, steigt die Wahrscheinlichkeit, eine Amniozentese zu empfehlen.
Bei den Doppel-, Dreifach- und Vierfachtests wird hauptsächlich nach dem Down-Syndrom gesucht. Es können jedoch auch Probleme mit Gehirn und Herz oder Defekte der Bauchwand vorliegen. Diese müssen ebenso berücksichtigt werden. Dies nennt man „zweite Ultraschallstufe“ oder detaillierten Fehlbildungsultraschall (fetal anomaly scan). Diese Untersuchung ist unbedingt erforderlich.
Manchmal wird gefragt: „Wir haben eine Amniozentese durchführen lassen – brauchen wir noch weitere Untersuchungen?“ Eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte kann beispielsweise durch eine Amniozentese nicht erkannt werden. Ziel des fetalen Screenings ist es, fünf Systeme zu beurteilen: das Nervensystem, das Kreislaufsystem, das Bewegungssystem, das Verdauungssystem und das Ausscheidungssystem.
Mit diesem Screening erhalten wir Informationen über das Vorhandensein und die Funktion dieser Systeme. Selbst wenn alle Systeme normal erscheinen, kann ein Down-Syndrom nicht zu 100 % ausgeschlossen werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir nach Durchführung aller Tests und des fetalen Screenings mit einer Genauigkeit von etwa 85–95 % sagen können, dass das Baby gesund ist. Diese Ergebnisse sollten bis zur 20. Schwangerschaftswoche vorliegen.
Nach dem Screening, wenn keine Probleme festgestellt wurden, wird die werdende Mutter monatlich kontrolliert.
Sie sollte erkennen können:
1. Ob die Schwangerschaft gesund verläuft
2. Ob das Baby gesund ist

BIN ICH HUNGRIG ODER MÜDE?
 

Die werdende Mutter sollte die Bewegungen des Babys beobachten. Wenn sie die Bewegungen spürt, gilt das Baby als gesund. Besonders nach der 32. Woche sollte sie die Bewegungen innerhalb von 10 bis 24 Stunden wahrnehmen.
Wenn sie keine Bewegungen spürt, sollte sie zunächst ruhig bleiben und sich fragen: „Bin ich hungrig oder müde?“ Wenn sie hungrig ist, sollte sie etwas Süßes essen und sich für etwa 40 Minuten auf die linke Seite legen. Ein gesundes Baby wird sich in dieser Zeit bewegen. Wenn trotz Ruhe keine Bewegung wahrgenommen wird, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.


ZUR VORBEUGUNG VON FRÜHGEBURTEN
Die Screeninguntersuchungen sind bis zur 20. Woche abgeschlossen. Wenn alle Tests zeigen, dass das Baby gesund ist, möchte man vermeiden, dass es vorzeitig geboren wird, bevor es lebensfähig ist (vor der 37. Woche).
Dazu sollte die werdende Mutter:
* Vaginale Infektionen und Infektionen benachbarter Organe vermeiden
* Bei einer Körpertemperatur über 37,5 °C unbedingt ihren Arzt informieren
 

Häufige Ultraschalluntersuchungen schaden dem Baby nicht. Frühzeitige Schwangerschaftsverluste werden oft fälschlicherweise dem Ultraschall zugeschrieben, was jedoch nicht korrekt ist.


Ultraschall ist gewissermaßen die erste Begegnung zwischen Mutter und Baby vor der Geburt. Besonders in den ersten Monaten gibt es viele Herausforderungen für die werdende Mutter – hormonelle Veränderungen, Nervosität, Übelkeit, mangelnde Unterstützung oder Arbeitsstress. In dieser Phase kann es sehr beruhigend sein, das Baby alle zwei Wochen im Ultraschall zu sehen.

Was ist der Ersttrimester-Test (Doppeltest)?
Er bestimmt das Risiko für das Down-Syndrom in der Frühschwangerschaft. Dabei werden die Nackentransparenz und die Scheitel-Steiß-Länge des Babys gemessen, zusätzlich wird Blut von der Mutter entnommen. Wenn möglich, wird auch das Nasenbein beurteilt. Zusammen mit Alter und Gewicht der Mutter wird daraus das Risiko berechnet.

Was ist der Dreifachtest?
Zwischen der 16. und 22. Woche werden drei Hormone im Blut der Mutter untersucht und zusammen mit Alter, Schwangerschaftswoche und Gewicht das Risiko für das Down-Syndrom berechnet.
Ein auffälliges Ergebnis bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Baby betroffen ist.

Was ist eine Amniozentese?
Bei der Amniozentese wird eine Probe des Fruchtwassers entnommen, um die Chromosomen des Babys zu untersuchen. Sie wird zwischen der 16. und 20. (bis 22.) Woche durchgeführt.
Sie wird empfohlen, wenn die Ergebnisse der Screeningtests verdächtig sind. Früher traten Komplikationen wie Blutungen, Fehlgeburten oder Infektionen häufiger auf. Heute sind diese Risiken geringer, bestehen jedoch weiterhin (ca. 1 von 200 Fällen kann zum Verlust eines gesunden Babys führen).
 

/ Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe / İRENBE