Frühgeburt! Wie früh ist zu früh?

Die Schwangerschaft ist eine Phase, in der sehr intensive und komplexe Gefühle gleichzeitig erlebt werden. Unmittelbar nach der Bestätigung der Schwangerschaft durch einen Beta-hCG-Bluttest und eine Ultraschalluntersuchung nach dem Ausbleiben der Menstruation entsteht ein ganz besonderes und unbeschreibliches Glück – gleichzeitig begleitet von Gedanken und Sorgen darüber, wie diese Schwangerschaft verlaufen wird. So wird die Schwangerschaft oft als eine Freude empfunden, die aufgrund bestimmter Ängste nicht vollständig genossen werden kann. Ein Schatten von Stress darüber, ob alles gut verlaufen wird, legt sich über diese Freude.

Tatsächlich verwandeln sich Schwangerschaften in einen Marathon, bei dem nacheinander verschiedene Etappen durchlaufen werden: zunächst Fehlgeburten, dann Screening-Tests (insbesondere die bekannten Down-Syndrom-Untersuchungen) und in der Mitte der Schwangerschaft detaillierte Ultraschalluntersuchungen. Kaum hat man dieses intensive Tempo hinter sich gelassen und beginnt, sich entspannt mit dem Kinderzimmer und Babykleidung zu beschäftigen, kommt plötzlich das Thema Frühgeburt zur Sprache. Es scheint, als werde man bis zur Geburt keine völlige Ruhe finden.

Ja, Frühgeburten treten in etwa 10 % aller Schwangerschaften auf und stellen eine große Herausforderung in der Geburtshilfe dar.

Wenn wir zunächst die 40 Wochen betrachten: Tatsächlich erreicht nur ein kleiner Teil aller Schwangerschaften die 40. Woche, und der Anteil der Geburten, die genau in der 40. Woche stattfinden, ist deutlich geringer als angenommen. Geburtshelfer betrachten es eher so: Geburten nach der 37. Woche und vor der 41. Woche gelten als termingerechte Geburten. Dies wird auch mit den Begriffen „Miad“ (osmanisch/arabisch) und „Term“ (lateinisch für Grenze) ausgedrückt. Daraus ergibt sich: Geburten vor der 37. Woche gelten als Frühgeburten, während Geburten nach der 37. Woche als termingerecht angesehen werden.

In der Gesellschaft hat sich die Vorstellung etabliert, dass Babys, die vor der 37. Woche geboren werden, eine intensivmedizinische Betreuung im Inkubator benötigen.

Die vielleicht wichtigste Botschaft dieses Artikels ist, dass auch Frühgeburten in verschiedene Stadien und Schweregrade unterteilt werden. Mit dem Fortschritt der neonatologischen Intensivmedizin haben sich zwei Untergruppen herausgebildet: Geburten vor der 32. Woche gelten als „sehr frühe Frühgeburten“, während Geburten nach der 32. Woche als „Frühgeburten“ klassifiziert werden. Hier sind die Lunge, das Herz und das Kreislaufsystem des Babys die wichtigsten Faktoren. Nach der 32. Woche reagieren die Lungen des Babys deutlich besser auf unterstützende Maßnahmen wie mechanische Beatmung im Inkubator. Daher haben Geburten nach dieser Woche wesentlich bessere Ergebnisse, und die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Genesung ohne bleibende Schäden ist deutlich höher.

Wenn wir also Frühgeburten als Geburten definieren, die nach der 24. Woche, aber vor der 37. Woche stattfinden, wird deutlich: Je näher die Schwangerschaft an die 37. Woche heranreicht, desto besser sind die Aussichten. Die Überlebenschancen des Babys (oder der Babys bei Mehrlingsschwangerschaften) steigen, und die Dauer des Aufenthalts auf der neonatologischen Intensivstation nimmt ab.

Geburtshelfer und Perinatologen haben auf Grundlage dieses Wissens verschiedene Behandlungen und Strategien entwickelt, um die Schwangerschaft möglichst bis zur 37. Woche zu verlängern. Wenn dies nicht möglich ist, wird zumindest angestrebt, die 32. Woche zu überschreiten und idealerweise die 34.–35. Woche zu erreichen. Zu den häufig angewandten Maßnahmen gehören Progesterontherapie, Cerclage (Zervixnaht), Tokolyse (medikamentöse Wehenhemmung), Ruheempfehlungen und gegebenenfalls Krankenhausaufenthalte.

An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob Frühgeburten verhindert werden können. Während einige Risikofaktoren vorhersehbar und vermeidbar sind, sind andere leider weder vorhersehbar noch vermeidbar.

Zur besseren Übersicht die wichtigsten vorhersehbaren Risikofaktoren:

Wichtige vorhersehbare Ursachen und Risikofaktoren für Frühgeburten

Frühgeburt in einer früheren Schwangerschaft

Rauchen

Kurze Zervix (unter 25 mm)

Frühere Operationen an Gebärmutter oder Gebärmutterhals

Mehrlingsschwangerschaften (Zwillinge, Drillinge)

 

Leider ist die Frühgeburt nach wie vor größtenteils nicht vollständig vorhersehbar oder vermeidbar. Sie kann auch bei Frauen ohne erkennbare Risikofaktoren und trotz vorbeugender Maßnahmen auftreten.

Die gute Nachricht ist, dass sich dank medizinischer Fortschritte und zunehmender Erfahrung die Ergebnisse stetig verbessern. Durch eine umfassende Risikoanalyse sowohl beim Ersttrimester-Screening (11.–14. Woche) als auch bei detaillierten Ultraschalluntersuchungen können Risikoschwangerschaften früh erkannt und geeignete vorbeugende Maßnahmen erfolgreich umgesetzt werden.

Durch eine sorgfältige Anamnese und gezielte Untersuchungen können viele Risikofaktoren identifiziert werden, sodass Maßnahmen ergriffen werden können, um die Schwangerschaft möglichst bis zur 37. Woche zu verlängern.

Rauchen, ein wichtiger Risikofaktor für Frühgeburten, sollte unbedingt mit professioneller Unterstützung beendet werden.

Mehrlingsschwangerschaften sollten engmaschig überwacht werden, wobei Veränderungen der Zervixlänge regelmäßig kontrolliert werden. Bei kritischer Verkürzung kann eine Cerclage in Betracht gezogen werden.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen bei einem vertrauten Arzt und die Einhaltung eines strukturierten Betreuungsplans erhöhen die Erfolgschancen erheblich. Progesterontherapie, rechtzeitige Diagnostik und Behandlung von Infektionen sowie eine kontinuierliche Betreuung sind wichtige vorbeugende Maßnahmen. Häufiger Arztwechsel kann die Kontinuität der Betreuung beeinträchtigen und dazu führen, dass wichtige Untersuchungen versäumt werden. Daher ist eine strukturierte und kontinuierliche Betreuung genauso wichtig wie alle anderen Maßnahmen.