Angeborene Herzkrankheiten (AHK) sind Anomalien, die bei etwa 1 % aller Geburten auftreten und die am häufigsten bei Säuglingen festgestellten Fehlbildungen sind. Diese Erkrankungen können im Mutterleib diagnostiziert und manchmal auch behandelt werden. Die Beurteilung des fetalen Herzens mittels ultraschallbasierter Wellen und spezieller Systeme wird als „Fetale Echokardiographie“ bezeichnet. Nach der Diagnose kann über den Verlauf der Erkrankung, mögliche Eingriffe und Behandlungsoptionen informiert werden.

Fetale Echokardiographie, bei wem sollte sie durchgeführt werden?

Da angeborene Herzfehler die häufigsten Anomalien sind und diese Untersuchung weder für die Mutter noch für das Baby schädlich ist, wird sie in den meisten europäischen Ländern als Screening bei jeder Schwangerschaft durchgeführt. Auf diese Weise werden nahezu alle AHK diagnostiziert. Darüber hinaus sollte sie in den folgenden besonderen Situationen unbedingt durchgeführt werden.

  • Bei der Mutter

Vorliegen von Infektionskrankheiten während der Schwangerschaft,

Chronische Erkrankungen der Mutter (Diabetes, Rheuma usw.),

Medikamenteneinnahme während der Schwangerschaft, Strahlenexposition (Röntgen, CT usw.)

Bluthochdruck oder Risikoschwangerschaften

Auffällige Screening- oder biochemische Testergebnisse

Vorgeschichte von Totgeburten oder Fehlgeburten

Schwangerschaften in höherem Alter

  • Beim Baby

Vorliegen oder Verdacht auf Chromosomenanomalien

Verdacht auf kardiale oder nicht-kardiale Anomalien im Ultraschall

Verdacht auf Herzrhythmusstörungen

Erhöhte Nackentransparenz

Wachstumsverzögerung des Fetus

Unregelmäßiger Herzrhythmus

  • In der Familie

Vorkommen von angeborenen Herzkrankheiten in der Familie

Genetische Anomalien bei Eltern oder Geschwistern

  • Wenn vom Frauenarzt empfohlen

 

Schadet die fetale Echokardiographie dem Baby und wie lange dauert der Eingriff?

Das Verfahren unterscheidet sich nicht vom Ultraschall und wird mit Schallwellen durchgeführt. Es hat keinerlei Nebenwirkungen oder schädliche Auswirkungen auf das Baby. Der Eingriff dauert etwa 20 Minuten. Bei schweren Anomalien kann er länger dauern. Währenddessen liegt die Mutter – wie beim Ultraschall – auf dem Rücken, und die Untersuchung wird über den Bauch durchgeführt.

Wann sollte die fetale Echokardiographie durchgeführt werden?

Der ideale Zeitpunkt für diese Untersuchung liegt zwischen der 19.–24. Schwangerschaftswoche. Bei Verdacht auf schwere Herzfehler kann sie bereits ab der 16. Woche durchgeführt werden. Nach der 24. Woche wird die Untersuchung aufgrund der Knochenentwicklung des Babys schwieriger. Zudem kann nach der 24. Woche selbst bei Diagnose einer schweren Herzerkrankung oft nichts mehr für das Baby getan werden. Daher sollte die Untersuchung nicht über die 24. Woche hinaus verschoben werden.

Können alle Herzkrankheiten mit der fetalen Echokardiographie erkannt werden, gibt es eine Fehlerquote?

Wenn die Untersuchung von einem erfahrenen pädiatrischen Kardiologen durchgeführt wird, liegt die Genauigkeit bei über 90 %. Insbesondere schwere Herzkrankheiten werden nahezu zu 100 % erkannt. Sehr kleine Defekte sowie einige im Mutterleib normale Öffnungen können jedoch erst nach der Geburt festgestellt werden. Diese nicht erkannten kleinen Probleme verursachen nach der Geburt in der Regel keinen Schaden. Wichtig ist jedoch, dass im Mutterleib normale Öffnungen nach der Geburt bestehen bleiben und zu Herzkrankheiten führen können. Dies erhöht die Fehlerquote geringfügig. Daher sollte bei Bedarf nach der Geburt eine Standard-Echokardiographie durchgeführt werden, wenn der Kinderarzt dies für notwendig hält. Der untersuchende Arzt informiert darüber nach dem Eingriff.

Was sind die Vorteile der fetalen Echokardiographie?

Die frühzeitige Kenntnis einer angeborenen Herzerkrankung bietet zahlreiche Vorteile für Mutter und Kind. Probleme wie Herzrhythmusstörungen, die im Mutterleib zum Tod führen können, lassen sich während der Schwangerschaft behandeln. Eine unerwartete Diagnose nach der Geburt bringt viele Nachteile für Mutter und Kind mit sich. Es gibt Herzkrankheiten, bei denen in der Behandlung jede Stunde zählt und die Geburt in einem Zentrum mit Angiographie- und Operationsmöglichkeiten erfolgen muss. Wenn pädiatrische Kardiologen diese Erkrankungen im Voraus kennen, treffen sie alle notwendigen Vorbereitungen und Maßnahmen. Dieser schnelle Ablauf erhöht die Überlebenschancen des Babys erheblich. Viele dieser Erkrankungen sind heute behandelbar. Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist, dass es angeborene Herzkrankheiten gibt, bei denen eine Behandlung nicht möglich ist oder selbst bei Behandlung kein normales Herz erreicht werden kann und die Lebensqualität stark eingeschränkt ist. Der größte Vorteil dieser Untersuchung besteht darin, dies frühzeitig zu erkennen. In solchen Fällen kann eine Fortsetzung der Schwangerschaft möglicherweise keinen Sinn ergeben und ein Schwangerschaftsabbruch in Betracht gezogen werden. Die fetale Echokardiographie bietet diese Möglichkeit für die Familie und die Mutter.

 

Prof. Dr. Ertürk Levent

Pädiatrischer Kardiologe

Ege Universität Medizinische Fakultät, Abteilung für Pädiatrische Kardiologie, IZMIR

erturk.levent@ege.edu.tr  

 

Abbildung 1. Darstellung einer mit dem Leben nicht vereinbaren Herzerkrankung mittels fetaler Echokardiographie