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Die oben genannten Zahlen mögen auf den ersten Blick nichts bedeuten. Im Kontext dessen, was ich mit Ihnen teilen möchte, sind sie jedoch von großer Bedeutung;
Endometriose kommt bei 1 von 10 Frauen vor
Bei etwa 50% der Frauen mit Kinderwunschproblemen wird Endometriose festgestellt.
In diesem Artikel möchte ich über den Zusammenhang zwischen Endometriose – einem der wichtigsten Themen der letzten Jahre – und Schwierigkeiten, schwanger zu werden, sprechen.
Was ist Endometriose, warum und wie entsteht sie?
Die innere Schicht der Gebärmutter wird „Endometrium“ genannt. Normalerweise kleidet sie die Gebärmutterhöhle aus. Befindet sich dieses „Endometrium“-Gewebe außerhalb seines normalen Ortes, spricht man von „Endometriose“.
Trotz der Fortschritte der modernen Medizin ist die genaue Ursache und Entstehung dieser ungewöhnlichen Erkrankung, der Endometriose, noch nicht vollständig geklärt. Es gibt viele Theorien, doch keine kann die Entstehung dieser Erkrankung vollständig erklären. Die am häufigsten akzeptierte Theorie besagt, dass während der Menstruation Gebärmutterschleimhaut über die Eileiter in die Bauchhöhle zurückfließt und sich dort ansiedelt, wenn das Immunsystem sie nicht ausreichend beseitigen kann. Befindet sich dieses Gewebe in den Eierstöcken und bildet eine flüssigkeitsgefüllte Zyste, spricht man von einem „Endometriom“ oder einer „Schokoladenzyste“.
Endometriose und Unfruchtbarkeit
Studien zeigen, dass bei etwa 50% der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch Endometriose festgestellt wird. Laut anderen Studien ist die monatliche Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, bei Frauen mit Endometriose etwa halb so hoch wie bei Frauen ohne diese Erkrankung. Doch wie führt diese „ungewöhnliche“ Erkrankung zu Schwierigkeiten beim Schwangerwerden? Ein eindeutiger Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ist noch nicht vollständig geklärt. Es werden jedoch folgende Mechanismen vermutet;
Toxische Wirkung von aus Endometrioseherden freigesetzten Stoffen auf Eizellen, Spermien und Embryonen: Bestimmte Stoffe, sogenannte „proinflammatorische Zytokine“, die von Endometrioseherden freigesetzt werden, können toxische Effekte auf Keimzellen (Eizellen und Spermien) sowie auf den Embryo haben. Überaktivierte Makrophagen – die „Reinigungskräfte“ des Körpers – können zudem Spermien zerstören.
Verwachsungen und Verstopfung der Eileiter durch Endometriose: Die freigesetzten Stoffe können Verwachsungen fördern. Dadurch wird die normale Beziehung zwischen Eierstock und Eileiter gestört, der Eisprung beeinträchtigt und die Eileiter können blockiert werden, sodass Ei und Spermium nicht zusammenfinden. Da die Freisetzung der Eizelle, ihre Aufnahme durch den Eileiter und die Befruchtung grundlegende Schritte der Schwangerschaft sind, wirkt sich eine Störung dieses Prozesses negativ auf die Fruchtbarkeit aus.
Negative Auswirkungen von Endometriomen (Schokoladenzysten) auf die Eizellqualität: Erfahrungen aus der IVF-Behandlung zeigen, dass die Qualität der Eizellen bei Frauen mit Endometriomen beeinträchtigt sein kann und die Befruchtungsfähigkeit abnimmt. Die sogenannten Granulosazellen, die die Eizelle umgeben, Östrogen produzieren und für die Eizellqualität entscheidend sind, können reduziert oder geschädigt sein.
Verringerung der ovariellen Reserve durch Endometriome: Die ovarielle Reserve, also die Anzahl der vorhandenen Eizellen, ist entscheidend für die Fruchtbarkeit. Obwohl Frauen mit etwa 2 Millionen Eizellen geboren werden, nimmt diese Zahl mit dem Alter ab. Studien zeigen, dass Endometriome durch freigesetzte Stoffe die ovarielle Reserve zusätzlich reduzieren können. Darüber hinaus kann auch die operative Entfernung dieser Zysten – trotz moderner Techniken – zu einem Verlust gesunden Eierstockgewebes führen.
Beeinträchtigung der Einnistung durch von Endometrioseherden freigesetzte Stoffe: Bestimmte Stoffe können die Einnistung des Embryos in die Gebärmutter negativ beeinflussen. Studien zeigen jedoch, dass dies eher auf eine Beeinträchtigung des Embryos als auf eine Störung der Gebärmutter zurückzuführen ist.
Negative Auswirkungen der Schmerzen auf das Sexualleben: Neben den körperlichen Problemen kann auch der durch Endometriose verursachte Schmerz die Schwangerschaftschancen verringern. Frauen mit schwerer Endometriose, insbesondere bei Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, vermeiden verständlicherweise intime Beziehungen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Endometriose einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben kann. Dennoch sollte betont werden, dass dies nicht bedeutet, dass jede Frau mit Endometriose (Schokoladenzyste) zwangsläufig Schwierigkeiten haben wird, ein Kind zu bekommen.
Ich wünsche Ihnen allen gesunde und glückliche Tage.
Prof. Dr. Ümit İnceboz / Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe / İRENBE