In der IVF-Behandlung beschäftigen die Lebendgeburtenrate und die „Take-home-Baby“-Rate seit mehr als 30 Jahren sowohl die hoffnungsvollen Paare als auch die behandelnden Teams am meisten.
Seit dem ersten Treffen mit kinderwunschenden Paaren denken IVF-Teams ununterbrochen darüber nach, welche zusätzlichen Methoden wie angewendet werden können, um ihnen ein gesundes Baby in die Arme zu geben.
Dank der jüngsten Entwicklungen sind Methoden des Einfrierens und Auftauens von Embryonen zu einer der wichtigsten Möglichkeiten geworden, die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit zu erhöhen. Die schnelle Gefrier- und Auftaumethode, die als Vitrifikation bezeichnet wird, ermöglicht es Laboren, die sie korrekt anwenden, sehr erfolgreiche Schwangerschaftsraten bei einem Embryoverlust von nicht mehr als 10–15% zu erreichen.
Die Möglichkeit, die nach einem frischen Embryotransfer verbleibenden Embryonen mit hoher Effizienz einzufrieren und aufzutauen, bietet nicht nur die Chance auf einen weiteren Transfer ohne erneute aufwendige und kostspielige Behandlungen, falls beim ersten Transfer keine Schwangerschaft eintritt, sondern auch eine mindestens ebenso hohe oder sogar höhere Schwangerschaftswahrscheinlichkeit wie beim frischen Transfer. Dadurch sind mit einer einzigen hormonellen Stimulation und Eizellentnahme zusammen mit dem frischen Transfer mindestens zwei, manchmal sogar drei Embryotransfers möglich, was insgesamt eine Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von 60–80% ermöglicht.
Darüber hinaus kann bei Problemen wie unzureichender Entwicklung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) oder Überstimulation der Eierstöcke der frische Transfer problemlos abgesagt und die Embryonen eingefroren werden, um sie später unter optimalen Bedingungen zu übertragen, ohne die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit zu verringern, sondern sie sogar zu erhöhen.
Ein weiteres Problem, bei dem diese Innovation neue Möglichkeiten schafft, ist die verminderte ovarielle Reserve. Bei solchen Patientinnen können die Medikamente zur Maximierung der Eizellzahl negative Auswirkungen auf das Endometrium haben und die Einnistungschance verringern. In diesem Fall entsteht ein Dilemma zwischen weniger Eizellen und besserem Endometrium oder mehr Eizellen mit geringerer Endometriumqualität. Durch die korrekte Anwendung der Vitrifikation kann dieses Problem leicht gelöst werden. Die bestmöglichen Behandlungen können angewendet, Embryonen eingefroren und gesammelt sowie das Endometrium später optimal vorbereitet werden, wodurch die Schwangerschaftschance deutlich erhöht wird.
Wenn im IVF-Labor ausreichend Ausstattung und ein erfahrenes Team vorhanden sind, wird die breite Anwendung dieser Methoden neue Perspektiven eröffnen und die Schwangerschaftsraten erheblich steigern.
Op. Dr. Kaan Bozkurt / Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe / İRENBE