COVID-19-INFEKTION BEI KINDERN

Die COVID-19-Infektion, die seit dem letzten Jahr unseren Lebensstil verändert hat, steht weiterhin ganz oben auf unserer Agenda. Aufgrund der erhöhten Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus nach Mutationen und der noch andauernden Impfkampagnen ist es notwendig, die Schutzmaßnahmen strikt einzuhalten. Obwohl die COVID-19-Infektion bei Kindern meist mild verläuft, kann sie in einigen Fällen zu schweren Infektionen führen.

Übertragung: Kinder infizieren sich in der Regel durch Kontakte innerhalb des Haushalts. Es gibt keine ausreichenden Daten, die eine Übertragung des Virus von Müttern, die während der Schwangerschaft an COVID-19 erkrankt waren, auf ihre Babys belegen; bisher wurden nur zwei Fälle berichtet. Auch während der Stillzeit wurde keine Übertragung über die Muttermilch nachgewiesen. Mütter können ihr Baby stillen, wenn sie dabei eine Maske tragen und auf Händehygiene achten.

Symptome: Die Symptome beginnen in der Regel etwa 5 Tage nach der Ansteckung. Der klinische Verlauf bei Kindern ist meist mild. In etwa 80 % der Fälle treten Symptome der oberen Atemwege wie Fieber und Husten auf, manchmal auch Durchfall und Erbrechen. In etwa 15 % der Fälle kommt es zu einer Lungenentzündung und Atemnot, und weitere 15 % benötigen aufgrund eines schweren Verlaufs eine Krankenhausbehandlung. Höhere Hospitalisierungsraten werden bei Kindern unter einem Jahr sowie bei Kindern mit chronischen Erkrankungen (Herz-, Lungen-, Nierenkrankheiten, Adipositas, Immunschwäche oder Muskelerkrankungen) beobachtet.

Einige Kinder können die Infektion symptomlos durchmachen und dadurch das Virus leichter verbreiten.

MIS-C-SYNDROM

Im Mai 2020 wurden in Europa und später auch in der Türkei Fälle beobachtet, die der Kawasaki-Krankheit ähnelten und mit hohem Fieber sowie Haut- und Herzsymptomen einhergingen. Es wurde angenommen, dass diese mit COVID-19 zusammenhängen. Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnete diese Erkrankung bei Kindern unter 19 Jahren als MIS-C.

Multisystem-Entzündungssyndrom bei Kindern (MIS-C)

Es tritt 2–4 Wochen nach einer COVID-19-Infektion oder nach Kontakt mit einer infizierten Person auf. Die Faktoren, die bestimmen, bei welchen Kindern sich dieses Syndrom entwickelt, sind noch unbekannt.

Das Virus löst die Krankheit aus, verursacht sie aber nicht direkt. Eine übermäßige Immunreaktion führt zu Gefäßentzündungen und schädigt körpereigenes Gewebe.

Fieber über 38 °C, das länger als 24 Stunden anhält, ist das auffälligste Symptom und dauert meist länger als 4 Tage. Neben allgemeinen Symptomen wie Muskelschmerzen, Müdigkeit und Bauchschmerzen können mehrere Organsysteme betroffen sein.

Hautveränderungen sind charakteristisch: Abschälungen und Schwellungen an Händen und Füßen, Rötung und Risse an den Lippen sowie Rötung der Augen können auftreten.

Atemsystem: Brustschmerzen und Atemnot können auftreten.

Herz-Kreislauf-System: Hypotonie, Herzrhythmusstörungen und Durchblutungsstörungen können auftreten und zu bleibenden Herzschäden führen.

Verdauungssystem: Bauchschmerzen können so stark sein, dass sie an eine Blinddarmentzündung erinnern. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können auftreten.

Nervensystem: Verwirrtheit, Kopfschmerzen und Krampfanfälle können vorkommen.

Nierenversagen kann ebenfalls auftreten.

Diagnose: Für die Diagnose von COVID-19 werden PCR- und Antikörpertests verwendet, die in jedem Alter angewendet werden können.

Beim PCR-Test wird ein Abstrich aus dem Rachen und der Nase entnommen, um das Virus nachzuweisen. Antigentests haben eine geringere Sensitivität. Antikörpertests messen die im Blut gebildeten Antikörper gegen COVID-19, deren Bildung etwa 2–3 Wochen dauert.

Beim MIS-C-Syndrom ist der PCR-Test in etwa 65 % der Fälle negativ, während Antikörpertests meist positiv sind. Entzündungsmarker im Blut sind erhöht und die Lymphozytenzahl ist vermindert.

Behandlung: In leichten Fällen ist Paracetamol ausreichend. Bei Kindern mit Lungenbeteiligung wird die Behandlung anhand bildgebender Verfahren wie CT geplant.

Da MIS-C mehrere Organe betreffen kann, sollte die Behandlung schnell begonnen werden. Sie umfasst Sauerstoff- und Flüssigkeitstherapie, entzündungshemmende Medikamente (z. B. Kortikosteroide) sowie blutgerinnungshemmende Mittel.

Prävention:

Eltern sollten ihre Kinder altersgerecht informieren und ihnen Händehygiene sowie das Tragen von Masken beibringen.

Masken werden bei Kindern unter zwei Jahren aufgrund der Erstickungsgefahr nicht empfohlen. Kleine Kinder sollten nicht in geschlossene, überfüllte Räume wie Einkaufszentren mitgenommen werden. Spielen im Freien ist sowohl für die Vitamin-D-Aufnahme als auch für die körperliche Aktivität wichtig.

Händewaschen gehört zu den wichtigsten Schutzmaßnahmen. Kinder sollten lernen, ihre Hände vor und nach dem Essen sowie nach Aufenthalten an öffentlichen Orten mindestens 20 Sekunden lang mit Wasser und Seife zu waschen. Sie sollten auch lernen, ihr Gesicht nicht mit ungewaschenen Händen zu berühren und beim Husten oder Niesen ein Taschentuch oder die Armbeuge zu verwenden.

Die wichtigsten Faktoren zur Stärkung des Immunsystems sind eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung an der frischen Luft. Die Ernährung sollte Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und probiotische Lebensmittel wie Joghurt, Ayran und Kefir enthalten. Der Verzehr von Fisch 1–2 Mal pro Woche sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind ebenfalls wichtig.

Für Kinder steht derzeit noch kein COVID-19-Impfstoff zur Verfügung, jedoch laufen entsprechende Studien weiter.


Fachärztin Dr. Hale Yener
Fachärztin für Kinderheilkunde