Azoospermie : Azoospermie, die bei etwa 10–15 % der männlichen Infertilität vorkommt, ist ein Zustand, bei dem im Ejakulat (Sperma) keine reifen Spermienzellen – weder lebend noch tot – vorhanden sind.

Die Diagnose einer Azoospermie sollte mindestens zweimal durch die detaillierte Untersuchung einer zentrifugierten Samenprobe gestellt werden. Andernfalls kann es bei unzureichender Untersuchung und durch unerfahrene Personen zu Fehldiagnosen kommen, sodass Patienten fälschlicherweise als azoospermisch eingestuft werden. Dies kann zu unnötigen MikroTESE-Operationen führen.

Ursachen der Azoospermie:

  • Prätestikulär: Meist auf endokrine Ursachen zurückzuführen. Häufig tritt sie als hypogonadotroper Hypogonadismus auf. Diese Patienten profitieren von einer langfristigen medikamentösen Behandlung, und ab dem sechsten Monat können Spermien im Ejakulat erscheinen.
  • Testikulär: Pathologien der Hoden, also Störungen der Spermienproduktion infolge eines primären Hodenversagens. (Auch Chromosomenanomalien gehören zu dieser Gruppe.)
  • Posttestikulär: Ursachen, die auf eine Verstopfung der Samenwege zurückzuführen sind. Sie machen etwa 40 % der Fälle von Azoospermie aus.

Patienten, die sich mit der Diagnose Azoospermie vorstellen, werden mittels körperlicher Untersuchung, hormoneller Tests und genetischer Analysen differenzialdiagnostisch abgeklärt. Patienten, die eine medikamentöse Therapie benötigen, werden entsprechend behandelt und nachverfolgt. Patienten mit nicht-obstruktiver Azoospermie (NOA), bei denen eine Störung der Spermienproduktion vorliegt, werden auf eine MikroTESE vorbereitet. Patienten mit obstruktiver Azoospermie, bei denen keine Produktionsstörung, sondern eine Blockade vorliegt, werden auf Verfahren wie TESE, PESA, MESA oder TESA vorbereitet.

Vor einer MikroTESE sollten neben hormonellen Tests (FSH-LH-TT-E2) auch eine Chromosomenanalyse (Karyotyp) sowie eine Untersuchung auf Y-Chromosom-Mikrodeletionen durchgeführt werden.

Die häufigste Chromosomenanomalie ist das Klinefelter-Syndrom (47XXY). Bei diesen Patienten liegt die Wahrscheinlichkeit, mit MikroTESE Spermien zu finden, bei etwa 60–70 %.

Heutzutage sollte keine diagnostische Hodenbiopsie durchgeführt werden. Außerdem sollten Testosteronpräparate nicht für eine empirische medikamentöse Therapie eingesetzt werden.

Patienten mit diagnostizierter nicht-obstruktiver Azoospermie, die keine medikamentöse Therapie benötigen, sollten für eine MikroTESE geplant werden.

MIKROTESE : Sie ist die Goldstandard-Chirurgiemethode bei NOA. Der Eingriff kann unter Epidural- oder Vollnarkose durchgeführt werden. Bei der MikroTESE können die Samenkanälchen unter dem Mikroskop sichtbar gemacht werden, und die stärker erweiterten und opaken Tubuli, in denen sich Spermien befinden könnten, werden gezielt entnommen. Dadurch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, Spermien zu finden. MikroTESE erhöht nicht nur die Erfolgsrate der Spermiengewinnung, sondern ermöglicht auch die Entnahme von weniger Gewebe. Die Erfolgsrate liegt – je nach klinischen und histopathologischen Bedingungen – bei etwa 40–70 %. Die Dauer der Spermien-Suche sollte mindestens anderthalb bis zwei Stunden betragen. Patienten werden 3–5 Stunden nach dem Eingriff entlassen und können nach 4–5 Tagen wieder arbeiten.

Zu den wichtigsten Komplikationen bei der Spermiengewinnung gehören Blutungen, Infektionen, niedrige Testosteronwerte und Hodenatrophie. Durch den Einsatz des Mikroskops konnten diese Komplikationen reduziert, jedoch nicht vollständig eliminiert werden.

Zusammenfassend sollten Patienten sorgfältig auf eine MikroTESE vorbereitet werden. Trotz aller Fortschritte gibt es derzeit keinen Test, der zuverlässig vorhersagen kann, ob sich Spermien in den Hoden befinden. Für eine zweite MikroTESE sollte ein Abstand von mindestens sechs Monaten eingehalten werden.

Für Patienten, bei denen bei der MikroTESE keine reifen Spermien gefunden werden, laufen weiterhin Stammzellforschungen, die jedoch noch nicht in die klinische Anwendung übergegangen sind.